Kantorei-Website

Das Glockenprojekt

Geschichte des Geläutes

Die einzelnen Glocken

Läuteordnung

Glocken für St. Petri

Die Bleichermädchen-Sage

 

Das Glockenprojekt an der Rostocker Marienkirche
 


Marienturm von Nordwesten (1260-ca.1430-ca.1730)
 

Der gewaltige Turm der Marienkirche - ursprünglich als Doppelturmanlage mit Verbindungsriegel geplant, wegen schwierigen Baugrundes aber nicht vollendet - enthält heute eines der bedeutendsten Ensembles von Glocken und Gestühl im Ostseeraum. Noch vor wenigen Jahren bot sich eine tragische Situation, die allerdings durch die großen Anstrengungen einer völligen Sanierung des Turmes und der überraschenden Möglichkeit der Sanierung der historischen Glocken zu einer Attraktion für Fachleute und zu einer steten akustischen Freude für die Rostocker Innenstadt gewandelt werden konnte. Mehr über dieses große und über 4 Millionen Euro teure Projekt lesen Sie in der von Hans-Heinrich Schimler geführten Chronik des Fördervereins “Stiftung St.-Marien-Kirche Rostock e. V.”. öffnen>>

 

 

 

Zustand 1979-2009
 

Verkröpfte Aufhängung


Turmlaterne vor 2009


Stundenschlagglocke


“Tote” Großglocken im Inneren der Kirche

Die Ausgangslage im Jahr 2009

Die Marienkirche nutzte zu diesem Zeitpunkt ein aus drei Glocken bestehendes Geläute. Zu diesem gehörten eine aus der Petrikirche geborgte Glocke aus dem Jahr 1548 (es war die einzige Glocke, die die Brandkatastrophe von 1942 überstand) sowie zwei neu gegossene Glocken aus dem Jahr 1979, die verkröpft geläutet und teilweise in Stahl aufgehängt waren. In der Turmlaterne (der kleinen Plattform in der Turmspitze) hing eine seit Jahrzehnten unbenutzte Schlagglocke aus dem Jahr 1379, die im Dezember 2009 wieder in Betrieb genommen wurde. Im Innenraum der Kirche standen abgestellt zwei baschädigte große Glocken von ca. 1300 und aus dem Jahr 1409 sowie eine kleinere Glocke aus dem Jahr 1450. Im Eingangsbereich der Petrikirche stand wiederum eine der Marienkirche gehörende Glocke von 1554.

Im Jahr 2009 ergab sich die Möglichkeit, die Restaurierung der vier schweigenden mittelalterlichen Glocken und ihre Wiederbenutzung zu planen und die erforderlichen Arbeiten zu beginnen.

Zur Glockengeschichte von St. Marien bis 1979 gibt es eine Schrift von Ulrich Nath, ehemals Pastor der Marienkirche. Neu herausgegeben wurden die SChriften “Die Glocken der Rostocker Altstadtkirchen” von Claus Peter und eine Festschrift über die Restaurierung des Mariengeläutes, herausgegeben vom Marien-Förderverein.
Beide Schriften enthalten noch viele Zeichnungen, Fotos und reiche Informationen, die auf dieser Website bewußt nicht wiedergegeben wurden.
Alle Schriften können in der Marienkirche oder über das Kirchenbüro erworben werden.

 

 


Glocken vor der Restaurierung


Arbeiten im Glockenstuhl


Neue Bauteile für den Glockenstuhl

 
Formarbeiten an der neuen Betglocke

Beschreibung des Restaurierungs-Konzepts von 2009

Die vier mittelalterlichen Läute-Glocken von St. Marien sollten wieder aktiviert werden. Dazu waren bei den Glocken teilweise umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen erforderlich (Schweißung von Rissen, Aufschweißen der Schlagringe, Neuguss und Einschweißen von Kronen bzw. Kronenhenkeln). Ebenso musste der Glockenstuhl (mit Hölzern aus dem 15. bis 18. Jahrhundert) restauriert und adaptiert werden. Das bisherige in der Marienkirche genutzte, durchaus wertvolle Geläute soll mittelfristig im Turm der Petrikirche installiert werden, da diese Kirche keine Glocken besitzt (die Eisenhartgußglocken im Glockenträger vor der Petri-Kirche werden in den nächsten Jahrzehnten unbrauchbar). Mit der ohnehin aus Petri stammenden Glocke von Peter Matze erhielte die Petrikirche dann auch eine ihrer mittelalterlichen Glocken zurück. Alle Glocken sollen wieder in klassischer Aufhängung geläutet werden - das alte Mariengeläute hing an verkröpften Jochen, was eine Einschränkung in der Klangentwicklung bedeutete.

Zur Entlastung der Großglocken soll der Neuguss einer fünften Läuteglocke angestrebt werden. Als “Betglocke” wird sie wesentliche Läuteaufgaben übernehmen. Ihre künstlerische Gestaltung wurde durch den Rostocker Bildhauer Wolfgang Friedrich ausgeführt. Sie soll als Inschrift die Bibelworte “Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf, denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt. Aber der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen” (Römerbrief 8, 26) tragen.


Heimkehr der Glocken 2010

Erstes Anläuten des “Bleichermädchens”


Endarbeiten an der Betglocke


Eintausend Besucher beim Glockenfest im Mai 2011


Restauriertes und ergänztes Geläute 2011

Entwicklung des Projekts 2010/11

Am 18. November 2010 kehrten die restaurierten mittelalterlichen Glocken von Nördlingen nach Rostock zurück. Sie wurden in den südlichen Turmschacht gebracht. Die kleinste Glocke, das “Bleichermädchen”,  wurde am 17. Dezember das erste Mal im restaurierten Glockenstuhl handgeläutet und läutete für die kommenden Monate als einzige Glocke.

Die Entlastungsglocke (“Betglocke”) wurde in der Karlsruher Glockengießerei Bachert am 14. Januar 2011 gegossen. Am 25. Februar wurde sie in Rostock mit großer öffentlicher Aufmerksamkeit empfangen. Gemeinsam mit den vier inzwischen restaurierten mittelalterlichen Glocken wurde sie im Frühjahr in die Glockenstube gebracht.

Am 7. Mai 2010 fand in Verbund mit einem Gemeindefest die feierliche Glockenweihe des nun aus fünf Glocken bestehenden Geläutes statt. An die eintausend Zuhörer lauschten den ersten Klängen.

Die Finanzierung der Restaurierung des Mariengeläutes wurde zunächst durch Mittel des Landes Mecklenburg-Vorpommern möglich, die von der scheidenden Finanzministerin Sigrid Keler 2009 bereitgestellt wurden. Finanzministerin Heike Polzin hat sich ebenfalls für die Förderung der Maßnahme engagiert. Die Mecklenburgische Landeskirche ist ebenfalls mit bedeutenden Mitteln beteiligt. Die Kirchengemeinde leistet ebenfalls einen Anteil.

Was hier geleistet wurde und wofür zu danken ist, wird vielleicht am deutlichsten fühlbar beim Hören der tragischen Klänge der gesprungenen im Vergleich mit denen der restaurierten Glocken - hier abzurufen auf den Einzelseiten von Bürger- und Großer Glocke.
 

Nach der ersten Erprobung des restaurierten Mariengeläutes und in Hinblick auf die größtmögliche Schonung der reparierten Glocken beschloss der Förderverein St. Marien die Beschaffung einer zusätzlichen sechste Glocke. Auch sie wurde von Wolfgang Friedrich gestaltet und am 28. Oktober 2011 von Albert Bachert gegossen. Als “Sakramentsglocke” trägt sie das Bibelwort “Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.” (Mt 11,28). Am 18. Dezember 2011 wurde sie in der Marienkirche geweiht und am 19. Dezember in den Turm gebracht. Zu Weihnachten 2011 wurde das nun sechsstimmige Geläute in den Dienst genommen.

Die Realisierung des künftigen Petrigeläutes, welches als weitreichender Abschluß des Projektes geplant war, ist noch nicht völlig abschließend geklärt, da dort noch unerwartet hohe bautechnische Herausforderungen zu bewältigen sind.

 

Sämtliche Glockenmontagen wurden von der Fa. Udo Griwahn aus Grimmen durchgeführt. Es wurde Schlag- und Antriebstechnik (VOCO digitron) der Firma HEW, Herford, eingebaut. Die Zimmermannsarbeiten am Glockenstuhl wurden von der Firma Grimm aus Groß Wokern ausgeführt. Die statischen Berechnungen erstellte das Ingenieurbüro BTZ aus Rostock. Das Projekt stand unter der fachlichen Aufsicht des Glockensachverständigen der Ev. Kirche von Westfalen, Herrn Claus Peter. Die Bauleitung in Rostock hatte der Baupfleger an St. Marien, DI Frank Sakowski, Fa. Angelis und Partner, Wismar. Für die Gemeinde begleitete Karl-Bernhardin Kropf, Kantor der Marienkirche, das Projekt.

 

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Zuletzt aktualisiert: Freitag, 7. Februar 2014